Wir freuen uns über das Interesse an unserer Arbeit im Rathausturm in St. Pölten und nehmen es als Anlass, künftig in diesem Blog über unsere laufenden Projekte zu berichten. Wie bereits in zahlreichen Medien verlautbart wird der Innenbereich des Rathausturms derzeit saniert. Nach Fertigstellung wird es für Besucher im Rahmen einer Führung möglich sein, bis in das vorletzte Geschoß in die ehemalige Türmerstube aufzusteigen und einen Blick von dort oben auf die Stadt zu werfen. Alle im Zuge der Sanierung gesetzten Maßnahmen erfolgen unter Berücksichtigung des historischen Baubestandes und der historischen Gewachsenheit dieses Baudenkmales. So hat die Holzbaufirma für die Instandsetzung der Holzbalkendecken und der Holzstiegen Altholz verwendet, das sich überaus harmonisch in den Bestand einfügen.
Über die Jahrhunderte sind viele Menschen in den Rathausturm gekommen, manche von ihnen haben auch Spuren hinterlassen. So sind heute hunderte Inschriften, Namen, Jahreszahlen und auch die eine oder andere Zeichnung an den Wandflächen erhalten. Ziel unserer Arbeiten im Rathausturm ist es, all diese Zeitdokumente soweit zu sichern, sodass sie auch für die zukünftigen Besucher erhalten und sichtbar bleiben. Darüber hinaus reinigen wir die Wandflächen, entfernen Staub und Schmutz und ergänzen größere Fehlstellen im historischen Wandverputz.
Bei den Reinigungsarbeiten sind drei Rötelzeichnungen zu Tage getreten, die wir an dieser Stelle gerne näher beschreiben wollen. Die linke Zeichnung zeigt eine männliche Person in barocker Tracht. Der etwa knielange Mantel ist oben zugeknöpft und springt unten auf. Die Person trägt Kniebundhosen, auch die Schuhe sind schemenhaft abgebildet. Um den Hals zeichnet sich ein vorne gebundenes Halstuch ab, auf der rechten Schulter sind Schulterbänder zu erkennen. Die rechte Hand ruht auf einem Schwert, die linke Hand hält einen Schlüsselbund mit zwei Schlüsseln.
Die Darstellung am mittleren Bild konnte bis dato noch nicht endgültig identifiziert werden. Eine Fassade oder möglicherweise ein Entwurf für einen Einrichtungsgegenstand? Feine Verzierungen spannen sich über die Flächen und bekrönen die Rötelzeichnung. Weiterführende Forschungen werden vielleicht noch nähere Erkenntnisse bringen, wir werden berichten.

Die rechte Zeichnung zeigt ein rundes Medaillon mit einem reich verzierten Rahmen.

Die Rötelzeichnungen sind mit hoher Wahrscheinlichkeit im 17. oder 18. Jahrhundert entstanden. Über den Urheber kann nur spekuliert werden. Vielleicht ein Turmwächter? Lange Zeit bestand im vorletzten Geschoß des Rathausturmes eine Türmerstube. Im Zuge unserer Reinigungsarbeiten in diesem Geschoß konnten wir im Bereich des Westfensters eine bis dato mit Schutt aufgefüllte Mulde freilegen, die dem Türmer vermutlich als Ausguss diente. Ein schönes Zeitdokument, wie wir meinen.
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