Das heutige Bistumsgebäude wurde in den Jahren 1648 - 50 unter Probst Johannes VIII. Fünfleuthner als Klosteranlage des damaligen Augustiner Chorherrenstiftes anstelle eines mittelalterlichen Vorgängerbaus errichtet. Anfang dieses Jahres haben wir die Fassaden des Bistumsgebäudes restauratorisch befundet. Obwohl die Fassaden in der Vergangenheit mehrmals überarbeitet und teilweise auch neu verputzt worden sind, konnte das bauzeitliche Gliederungskonzept anhand der Befunde und der zahlreich vorhandenen historischen Abbildungen rekonstruiert werden. Besonders wertvolle Informationen dafür lieferte ein Teil der bauzeitlichen Fassade, der bei einem späteren Umbau verdeckt wurde und dadurch unberührt in seinem ursprünglichen Zustand erhalten blieb.

Die barocken Fassaden präsentierten ein schlichtes, nur wenig plastisch gegliedertes Erscheinungsbild, die Putzflächen blieben zum Großteil ohne Anstrich. Ein interessantes Detail sind die in den Putz geritzten Schattenbänder, welche grau gestrichen waren und die Plastizität der Gliederung optisch verstärken sollten. Mit diesem Wissen ging man an die Planung und Umsetzung der Fassadensanierung. Schon bei der letzten Sanierung in den 1980er Jahren, die vom damaligen Leiter der Abteilung für Konservierung im Bundesdenkmalamt Dr. Manfred Koller begleitet wurde, näherte man sich dem barocken Gliederungskonzept an. Dank des großen Engagements aller Beteiligten konnten wir bei der aktuellen Sanierung noch einen Schritt weitergehen. In Zusammenarbeit mit den ausführenden Firmen Wohlmeyer und Stressler sowie dem Vertreter der Firma KEIM wurden Muster angesetzt und anhand dieser die praktische Umsetzung des angedachten Konzeptes erprobt. Herr Ing. Bernd Schneider vom Diözesanbauamt setzte als Vertreter des Bauherren großes Vorvertrauen in das Gelingen.

Ziel war es, die Optik des erforderlichen Anstrichs, der aufgrund der bestehenden Altanstriche in Silikattechnik ausgeführt werden musste, einer putzsichtigen Fassade anzunähern. Dazu wurde der Anstrich exakt im Farbton des barocken Putzes eingefärbt und als mehrlagige Lasur aufgebracht, was ihm sowohl Tiefe als auch Transparenz verlieh und ein lebendiges Fassadenbild entstehen ließ. Die Schattenbänder wurden dazu in dunkelgrauer Farbe aufgemalt. Es ist damit gelungen, ein sowohl materialtechnisch als auch handwerklich denkmalkonformes Konzept umzusetzen, das seine Vorbildwirkung in St. Pölten und darüber hinaus wirken lassen kann.
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